Früher war es mir wichtig, es immer allen Recht zu machen. Mich selbst habe ich hinten angestellt, mir wenig Zeit für mich genommen. Da war mein Sohn, mein Mann, mein Job – alles andere war wichtiger.

Heute nehme ich Rücksicht auf meine Bedürfnisse und fokussiere mich mehr auf mein Wohlbefinden. Ich fühle mich in meinem Körper wohler als früher, finde mich schöner. Ich empfinde Stolz, wenn ich es geschafft habe zuzunehmen und andere es sehen können. Ich liebe auch meine Haare, die jetzt viel dicker sind. Ich schaue mehr auf mich und nehme mir die Zeit mich schön zu machen – auch wenn ich nur einkaufen gehe. Ich mache das für mich. Weil ich mich so wohl fühle. Weil es mir gut tut.

Wenn ich zurück blicke, wird mir immer wieder bewusst, wie sehr mich die Krankheit mit all ihren Tiefen als Mensch gestärkt hat. Ich schaffe es jetzt die Frau zu sein, die ich immer sein wollte.

Ganz am Anfang habe ich gegoogelt, Lungenkrebs Stadium IV. Die Prognose waren zwölf Monate. Maximal. Dann waren die zwölf Monate um und ich habe mir gedacht: „Ok, du lebst immer noch“. Später habe ich bei einem Vortrag gehört, dass die wenigsten fünf Jahre überleben. Als ich auch die überschritten hatte, fragte mich eine Bekannte: „Und was machst‘ jetzt? Es gibt keine Zahl mehr. “

Jetzt? Jetzt habe ich kleine Ziele. Zuerst war es die Matura meines Sohnes. Jetzt ist meine Enkeltochter mein Mittelpunkt.