Mein Vater hatte seine Praxis in unserer Wohnung. Es war eine kleine Ordination, sehr familiär. Er war ein typischer Hausarzt, der Tag und Nacht für seine Patienten zur Verfügung gestanden ist. Wenn ich als Kind durchs Vorzimmer gegangen bin, war es für mich ganz normal seinen Patienten zu begegnen. Ich musste lernen, dass da Menschen sind, auf die ich Rücksicht nehmen muss und was es überhaupt bedeutet, Rücksicht zu nehmen. Im Grunde hat es von Anfang an mein Leben bestimmt.

So habe ich schon als Kind mitbekommen, was es heißt Verantwortung zu übernehmen, für andere zur Verfügung zu stehen und die eigene Zeit zu opfern, wenn mein Vater um zwei in der Früh aufgestanden ist, um zu einem seiner Patienten zu fahren. Und es hat mich auch gelehrt, dass es mir möglich ist, mich innerlich zu distanzieren ohne meine Empathie zu verlieren.

Durch ein offenes Gespräch lässt sich vieles regeln vor dem man sich oft fürchtet – auch Dinge, über die man scheinbar nicht reden kann. Aber im Grunde kann man über alles reden. Von einem selbst verlangt das nur, dass man sich aktiv mit all diesen Themen auseinandersetzt. Wie mit dem Tod zum Beispiel. Wenn ich ihn selbst verdränge, dann kann ich auch mit anderen nicht darüber reden.