Mein Papa hat gesagt „Am besten Deckel zu und gleich eingraben.“ Er war immer sarkastisch und das war seine erste Meldung nach der Diagnose. Der restliche Tag war eigentlich vollkommen absurd, weil wir wussten, was die Diagnose bedeutet und vollkommen neben der Spur waren – aber er wollte den Tag genießen und wir sind Essen gegangen. Mein Papa hatte seine ganz eigene Art damit umzugehen, hat die Diagnose abseits der Therapien weitestgehend verdrängt und sein Leben wie bisher weitergelebt. Er wollte keine Extrawürstel. Das war für mich zuerst aber schwer zu erkennen und auch nicht so leicht zu akzeptieren. „Was soll ich ihm bieten? Was sollen wir machen, damit er noch ganz viel sieht in der Zeit, die ihm noch bleibt?“ Aber das wollte er nicht.

Es hat ihm immer schon gefallen, Leute zu treffen, Feste zu feiern und das haben wir dann auch weiterhin gemacht. Wir haben uns bemüht, ihm gegenüber alles so normal wie möglich zu belassen, weil wir das Gefühl hatten, dass es ihm so besser geht. Dass es für ihn so leichter ist. Und das war es auch.

Meine Tochter war vier Jahre alt als ihr Opa gestorben ist. Für sie war das ganz schlimm – sie war ein richtiges Opa-Kind. Ihre größte Angst war: „Musst du jetzt auch sterben, Mama?“ Mir war es dann sehr wichtig, die Trauer mit ihr aufzuarbeiten, eine Traumatherapie mit ihr zu machen. Damit sie einen natürlichen Umgang mit dem Tod haben kann. Damit sie Platz für die schönen Erinnerungen mit ihrem Opa haben kann.