Wenn man einen grippalen Infekt hat, fühlt man sich elend und schlapp, aber man weiß, dass man nächste Woche wieder gesund sein wird. Wenn man sich den Fuß bricht, trägt man einen Gips und der Knochen heilt von selbst. Und sobald man dann wieder gesund ist, ist die Erkältung, der gebrochene Fuß oder ein entzündeter Blinddarm auch gedanklich zur Gänze abgehakt.

Das ist beim Krebs aber anders. Weil der Krebs es schafft, im Körper zu wachsen, ohne dass man ihn bemerkt. Ohne dass man spürt, dass etwas nicht stimmt. Ohne dass man Verdacht schöpft. Und dann bekommt man die Diagnose – und jegliches Vertrauen in den eigenen Körper verschwindet. Man fühlt sich vom eigenen Körper im Stich gelassen. Man fühlt sich hintergangen. Man zweifelt an sich selbst. Und genau das macht den Krebs psychisch so gefährlich. Und genau das macht es so wichtig, den Patienten eine Unterstützung zu sein.

Ich sehe meine Arbeit verstärkt auch dort, wo es vielleicht keine klassischen Therapieoptionen mehr gibt. Wo es darum geht, sich um die Patienten zu kümmern. Sie weiterführend zu unterstützen. Ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind. Dass sich trotzdem jemand um sie sorgt. Jemand, der ihre Bedürfnisse wahrnimmt. Eine Kümmerin. Das bin ich.