Als junger Arzt habe ich die Wochenendvertretung diverser Landpraxen übernommen. Da bin ich nur mit Telefon und Arztkoffer bewaffnet quer durchs Rosental gefahren. Das waren unglaublich wichtige Erfahrungen – und auch lustige. Einmal bin ich wegen eines Verdachts auf Lungenentzündung zu einer Familienfeier gerufen worden. Dort angekommen, wurde ich erst einmal von allen begrüßt und dann mit Kirchtagssuppe und Reindling überfallen. Während ich so dort gesessen bin und gegessen habe, habe ich überlegt, wer eigentlich von den Anwesenden meine Patientin sein soll. Erst nach einer halben Stunde wurde mir das offenbart.

Das war eine spannende Zeit, aber es hat mich gestört, dass ich die Patientengeschichten nicht weiter verfolgen konnte. Dass ich nicht in die Tiefe gehen konnte. Mir hat die intensive Auseinandersetzung mit meinen Patienten gefehlt. Darum habe ich mich bald für einen Wechsel in die Innere Medizin entschieden.

Ich empfehle jungen Menschen, nur dann den Arztberuf zu ergreifen, wenn sie bereit sind, „All-In“ zu gehen. Wenn sie bereit sind, die Medizin zu ihrem Leben zu machen. Wenn sie darin aufgehen wollen. Wenn sie neben der Faszination für die Medizin auch eine Liebe für die Menschen verspüren. Das ist das Allerwichtigste.