Medizinisch korrekte Arbeit müssen unsere Patienten voraussetzen können. Das ist eigentlich selbstverständlich, denn alles andere wäre ein Kunstfehler. Arzt-sein heißt für mich, sich jenseits dessen, was diagnostisch und therapeutisch richtig ist, um die Patienten zu kümmern. Erst dann machen wir unsere Arbeit gut.

Meine Arbeit als Pfleger während meiner Studienzeit hat meine Perspektive aufs Kranksein, auf die Patienten und vor allem auch aufs Arztsein stark verändert und nachhaltig geprägt. Oft gab es Situationen, in denen ich mir gedacht habe, „so werde ich das als Doktor sicher nicht machen“. Im Zuge meines Turnus auf der Lungenabteilung habe ich dann erlebt, welchen entscheidenden Unterschied es macht, wenn Patienten wahrgenommen werden – nicht als Tumor im linken Oberlappen, sondern als Menschen mit Vergangenheit und Zukunft. Zum ersten Mal habe ich erlebt, dass ein Chefarzt seinen Patienten die Hand gibt, sich zu ihnen auf die Bettkante setzt und die Namen ihrer Kinder kennt.

Mein Ausbildner hat mir in dieser Zeit eine Form der Medizin gezeigt, von der ich schon dachte, dass es sie nicht gibt. Eine Medizin, so, wie ich sie selbst leben wollte. So, wie ich sie anderen vorleben wollte. So, wie ich sie jeden Tag zu praktizieren versuche.