Mir ist wichtig, dass meine Kinder versuchen, entsprechend ihrer Begabungen ihr Bestes zu geben. Wenn mein Sohn, der eine sehr schnelle Auffassungsgabe hat, auf einen Test eine drei bekommt, dann weiß ich, dass er einfach zu faul war, um sich auf den Test vorzubereiten. Dann weiß ich, dass er seine Möglichkeiten nicht genützt hat. Und das finde ich schade.

Mir ist auch wichtig, dass meine Kinder lernen, konsequent zu sein. Wenn sich meine Tochter im Tennisverein anmeldet, dann möchte ich nicht jede Woche den Satz „Heut hab ich aber keine Lust“ hören. Dann wünsche ich mir, dass sie das Training bis zum Ende des Semesters durchzieht. Danach kann sie den Tennisschläger von mir aus wegschmeißen. Aber sie hat gelernt, dass man Dinge, die man anfängt auch zu Ende bringt. Das ist mir sehr wichtig.

Wenn mich Patienten sehr direkt nach einer Prognose fragen, kann ich ihnen die wissenschaftliche Datenlage schildern. Aber dann sage ich ihnen immer auch, dass niemand ihren individuellen Verlauf vorhersagen kann. Dass ihre ganz persönliche Chance trotz schlechter Prognose bei 50:50 liegt – denn entweder sie sprechen auf die Therapie an oder nicht.