Meine ersten Patientengespräche als Jungärztin waren schon eine gewisse Herausforderung. Es gab so viele Unbekannte. Wie werden die Patienten auf ihre Diagnose reagieren? Welche Haltung erwarten sie von mir? Wie viele Informationen wünschen sie sich?

Schnell habe ich dann gelernt, dass die Reaktionen und die Bedürfnisse der Patienten genauso individuell sind wie ihre Geschichten. Dass Informationen, die der einen Patientin viel zu viel sind, dem anderen Patienten viel zu wenig sein können. Schnell ist mir auch klar geworden, wie essentiell es für mich ist, meine Patienten von Gespräch zu Gespräch besser kennen zu lernen. Denn je mehr ich über meine Patienten weiß, desto besser kann ich ihre Bedürfnisse einschätzen. Desto besser weiß ich, was ich wann und wie kommunizieren kann. Und erst damit ist meine Betreuung wirklich individuell.

Die Medizin ist ein hoch komplexes System. Da wird es immer etwas geben, das wir (noch) nicht wissen. Etwas, das wir nicht einplanen können. Das ist für mich als sehr strukturierte Person nicht leicht zu akzeptieren – aber wir Ärzte sind eben auch nur Menschen.