Ich erlebe in meinem Berufsalltag gelegentlich Situationen, in denen ich so dankbar für den Humor unserer Patienten bin. Wenn ein Arzt einer Patientin ein Informationsblatt vorlegt und sie über Ernährungsgrundlagen aufklärt, ohne zu wissen, dass sie Ernährungswissenschaftlerin ist. Wenn einem Patienten gesagt wird: „Machen Sie viel Sport“, ohne zu wissen, dass dieser noch nie in seinem Leben Sport betrieben hat.

Mir ist es so wichtig, dass wir die Menschen in ihrem Leben abholen. Dass wir wissen, wo sie stehen, was sie machen, was sie wollen. Denn dann können wir sie individuell betreuen. Dann reden wir mit der Patientin auf ihrem Niveau über Ernährung. Dann sagen wir dem Patienten, dass er regelmäßig mit einem Hörbuch spazieren gehen soll. Dann können sie etwas mit unseren Ratschlägen anfangen. Und nur dann fühlen sie sich verstanden und gut aufgehoben.

„Kennen Sie das eine Lied vom Ambros? A Mensch möcht i bleibn?“, hat mich ein Patient vor einiger Zeit in einem Gespräch gefragt. Da hab ich mir gedacht, ja, das bringts auf den Punkt. Es geht um Menschenwürde. Es geht darum zu sehen und zu spüren. In unserem Beruf. Und im Leben überhaupt.